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Über den Kurs "Den Staub des Alltags von der Seele schreiben"

„Schreiben heißt, sich selbst lesen“ – das Zitat stammt von Schriftsteller Max Frisch. Und genau auf dieses Abenteuer, eine Entdeckungsreise ins eigene Ich zu wagen, haben sich die Teilnehmerinnen eingelassen. Seit rund einem Jahr nehmen sie an dem Kurs der Diplom-Bibliothekarin und zertifizierten Poesietherapeutin Elisabeth Klempnauer teil. Sich den „Staub des Alltags von der Seele schreiben“ – so hat Elisabeth Klempnauer ihr Angebot betitelt. Es ist ein „Kurs für Menschen, die das Schreiben für ihre persönliche Entwicklung entdecken möchten“. Die Kursteilnehmerinnen haben es schon für sich entdeckt und möchten es nicht mehr missen.
An der Europäischen Akademie für psychosoziale Gesundheit, dem Fritz- Perls-Institut in Hückeswagen, hat Elisabeth Klempnauer ihre Ausbildung zur Poesie- und Bibliotherapeutin absolviert. Sie sieht sich aber weniger als Therapeutin, sondern möchte kreatives und biografisches Schreiben vermitteln. Zweieinhalb Stunden dauert der Kurs-Abend der „Staub-Frauen“, wie sie sich scherzhaft nennen. Dann begeben sie sich auf den Weg der Selbsterkenntnis und –Erfahrung, tauchen in den Fluss des Schreibens ein. Das ist jetzt weder staubtrocken oder nur von tiefem Ernst erfüllt; die Arbeit in der Gruppe bereichert und macht Spaß. Es darf gelacht werden. Die Gruppe gibt Anregungen, eröffnet neue Sichtweisen und Gesprächsthemen. „Es ist toll in der Gruppe. Mir sind die Abende wichtig“, fasst es eine Teilnehmerin zusammen. Jeder Kurs-Abend steht unter einem anderen Thema. Diese sind zum Schmunzeln oder Lachen, machen nachdenklich oder regen an, sich mit Problemen, Schmerz oder Trauer auseinanderzusetzen. Auch die Orte wechseln. Sie sollen auf das Thema einstimmen und inspirieren. Dies kann eine Bücherei oder ein Garten sein. Ein Sinnes-Spaziergang wurde zur Bruder-Klaus-Kapelle unternommen, um anschließend die Eindrücke schriftlich zu verarbeiten. In der Sonderausstellung des Sandstein-Museums „Zeichen am Wege“ machten sich die Teilnehmerinnen Gedanken darüber, welche Zeichen sie der Welt hinterlassen.

Behutsame Schreib-Impulse gibt Elisabeth Klempnauer den Teilnehmern zu Beginn und während des Abends. Das können Texte, Bilder, Farben oder Gedanken sein. Und dann geht es auf die Entdeckungsreise. „Hören, was wir zu sagen haben“ – lautet die Devise. Dabei entscheidet jede Teilnehmerin selbst, wie nah sie ein Thema an sich heran lassen möchte. Auch das Vorlesen des Textes in der Gruppe ist immer freiwillig. „Wie viel teile ich von mir mit?“ - das beurteilt jede selbst; schließlich geht es nicht um Seelen-Striptease. „Wenn ich etwas schreibe, ist das eine Botschaft von mir an mich, über mich und an andere“, erläutert Elisabeth Klempnauer. Wer möchte, darf seine „Botschaft“ den anderen mitteilen. Beim Gespräch über die Texte geht es nicht um literarische Qualität, darum, ob sie „schön“ geschrieben sind, es gibt kein Richtig und kein Falsch.

Eine „poetische Wegzehrung“ begleitet die Frauen auf dem Nachhause-Weg und in der Zeit bis zum nächsten Kurs-Abend. Im Laufe des Jahres hat jede Teilnehmerin eine Mappe zusammengestellt, in denen die Ergebnisse der Entdeckungs-Reisen ins Ich festgehalten werden. „Es war ein schönes Jahr. Und es geht weiter“, so urteilen die „Staub-Frauen“.

Dr. Dorothee Harbers, Journalistin für die Westfälischen Nachrichten, Münster

 

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